Freie Presse vom 28.04.2004

Sportvereine freuen sich auf weniger Bürokratie

Erst- und Zweitligisten aus der Region erwarten von der EU-Erweiterung Impulse und mehr Spielraum bei Neuverpflichtungen - Sportliche Qualifikation ausschlaggebend

Chemnitz. Gut drei Jahre ist es her, als der Freistaat Sachsen deutschlandweit für Furore sorgte. Mit der Ausländerreglung für Sportvereine sollte die Erteilung von Aufenthaltserlaubnissen an Berufssportler aus Nicht-EU-Ländern neu geregelt und damit die Verpflichtung von ausländischen Athleten vor allem in den unteren Spielklassen eingedämmt werden. Sachsens Sportvereine liefen Sturm und hatten Erfolg. Zunächst stellte das Innenministerium mit einer Übergangsreglung den alten Zustand wieder her. Auf Bundesebene verlief die ganze Diskussion später im Sand. Was ändert sich ab dem 1.Mai mit der EU-Osterweiterung tatsächlich für Sportvereine der Region? "Freie Presse" hat sich bei einigen Erst- und Zweitligisten umgehört.

Thomas Hermsdorfer, Präsident des Basketball-Zweitligisten BV TU Chemnitz 99:Der EU-Beitritt der zehn neuen Länder entlastet uns in Größenordnungen. Gerade aus den baltischen Staaten kommen viele, sehr gute Basketballer. Mit dem Litauer Pleta habe wir einen Spieler aus dieser Region bereits unter Vertrag. Bislang mussten wir in solchen Fällen persönliche Bürgschaften übernehmen. Außerdem war die Aufenthaltsgenehmigung und Spielerlaubnis für Sportler aus Nicht-EU-Ländern auf fünf Jahre begrenzt. Mit dem Weißrussen Charikov und dem Serben Vostic haben wir aber auch zwei Basketballer, wo der bürokratische Aufwand unverändert bleibt.(OM)

Rüdiger Jurke, Manager des Handball-Zweitligisten EHV Aue: Ich freue mich auf die neuen EU-Länder und hoffe, dass sich die Politiker für die Sportvereine nun keine neuen Beschränkungen einfallen lassen. Die norddeutschen Mannschaften profitieren seit Jahren von der EU. Dort spielen Dänen, Schweden und Norweger - wir hatten zwei Tschechen, mehr ging nicht. Der Spielermarkt wird durch die Ost-Erweiterung endlich breiter und die Preise werden wieder realistischer. Zudem wittern viele Handballer aus Osteuropa ihre Chance. Wir haben mit Serafionovices kürzlich erst einen jungen lettischen Auswahlspieler für die neue Saison verpflichtet. Vielleicht können wir auf dem Transfermarkt sogar noch ein zweites Mal zuschlagen.(OM)

Harald Sander, 1. Vorsitzender des Ringer-Bundesligisten AC Germania Markneukirchen: Obwohl mit der EU-Osterweiterung bei der Verpflichtung von ausländischen Ringern einiges unbürokratischer wird, zählt nach wie vor die sportliche Qualifikation des jeweiligen Athleten. Konkret ändert sich für den AC Germania gegenwärtig nichts. Da sich der Wechsel in die sportlich stärkere Süd-Staffel der Bundesliga zerschlagen hat, werden wir im Prinzip mit dem bisherigen Kader und einigen wenigen Neuzugängen an den Start gehen.(SG)

Rene Rudorisch, Pressesprecher des Eishockey-Zweitligisten ETC Crimmitschau: Die eiserne Mauer bleibt trotz der EU-Osterweiterung im Eishockey weiter bestehen. Derzeit gilt die DEB-Reglung, die besagt, dass bis 31.März 2006 Spieler aus diesen Ländern nur dann in Deutschland Profi-Eishockey spielen dürfen, wenn sie derzeit hier schon einen festen Vertrag besitzen. Wir können jetzt also keine neuen Spieler aus Tschechen oder der Slowakei nach Crimmitschau holen, obwohl diese Leute gutes Eishockey spielen und vielleicht auch billiger als Skandinavier oder Nordamerikaner sind. In unserem Sport ändert sich durch den Beitritt der Länder in die EU erst einmal nichts.(HOF)



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